Die Grenzpolizistin guckt mich durch das Fenster des Autos an als hätte ich sie nicht mehr alle. Wir (5 Volontäre) und ich sind an der Grenze zur Westbank und ich habe ein Problem. Ich habe keinen Pass. Auf Jeden fall nicht dabei und meine Kopie scheint mir nicht zu helfen. Das Auto, in dem wir sitzen gehört einem älteren Mann, der ebenfalls in die Westbank will und uns freundlicher Weise mit genommen hat. Doch jetzt guckt auch er mich mit einem Blick an der mir sagen soll ''Was machst du eigentlich?'' Weil er keine englisch versteht denkt er vielleicht ich hätte irgendwelche Drogen dabei oder werde von der Polizei gesucht. Er ist schließlich sichtlich erleichtert als ich genervt aussteige und mit Malin (auch keinen Pass dabei) irgendwo mitten im Niemandsland stehe und wir nicht wissen was wir machen sollen.
Dass wir den Pass nicht bei uns hatten, war dieses Mal nicht eigene Blödheit sondern eher ein blöder Zufall. Der Pass war zu der Zeit in Haifa, da unser Projektleiter die Jahresvisa beantragte. Uns sagte er wir könnten problemlos mit der Kopie rüber, was auch meistens klappt. Naja vielleicht war die Polizistin einfach schlecht drauf.
Malin und ich sind dann ein Stück zurück gefahren und haben einfach mal einen Bus nach Nazareth genommen, weil es noch recht früh war und wir irgendwas unternehmen wollten Ohne zu wissen wo wir hin müssen und nach langem herumfragen, haben wir uns dann in irgendein Hostel verlaufen, obwohl wir zuerst eigentlich in ein anderes wollten. Zufällig war dieses jedoch billiger und sah sehr einladend.

Am nächsten morgen haben wir auf das Drängen des Hostelbesitzers, der uns die ganze Zeit mit Obst und Tee versorgt hat, eine Stadterkundung der speziellen Art gemacht. Der englische Journalist Jonathan Cook, der seit 12 Jahren in Israel lebt, hat uns am Beispiel Nazareths einiges zum Konflikt zwischen Juden und Arabern erklärt. Nazareth ist nämlich anders als man vielleicht denkt komplett arabisch(muslimische und christliche). Ein Beispiel ist, dass die Tourismusbranche in Nazareth so klein wie möglich gehalten wurde und Touristen nur mit Bussen anreisen sollten und in anderen Städten schlafen sollten. In dieser Hinsicht findet gerade ein Wandel statt und so waren wir ein Wochenende zufällig in einer Stadt, die nicht so von Touristen überrannt ist und wo die Einwohner sehr bemüht um diejenigen sind, die sie besuchen.

Dafür dass unser 3 Tage Trip (Ja wir hatten schon wieder Feiertag: Sukkot) etwas stockend begann, hat sich doch alles gut ergeben und wir haben viel erlebt in Nazareth. In Israel, so habe ich das Gefühl, kommt es halt immer anders als geplant und daher lohnt es sich meistens gar nicht genau zu planen. Der Zufall entscheidet oftmals ;)
Blick aus dem Hostel
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